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Gedankenfabrik
München – Hinter dem herrschaftlichen Bau der Akademie der Bildenden Künste liegt ein kleines graues Gebäude. 2009 wurde hier abseits der offiziellen Akademie-Räume ein Ort geschaffen, der Studenten wie Lehrkräften ein Zuhause bietet: das Gartenhaus der Kunsthochschule. Eine Wohnung beherbergt Gastprofessoren, in der anderen ist ein studentisch verwalteter Ausstellungstraum entstanden. Malerei, Installation, Performance, Design oder Fotografie bringen die Studenten hier abwechselnd mit Diplompräsentationen unter ein gemeinsames Dach, unabhängig von einer Jury oder Kuratoren. Die Ausstellungen werden in Zusammenarbeit mit anderen Künstlern konzipiert, die Akademie öffnet sich dem kreativen Dialog: ‘Das besondere am Gartenhaus ist, dass wir den Kontakt nach außen herstellen und so ein interdisziplinärer Austausch zustande kommt’, sagt Stefanie Hammann, eine Studentin, die momentan die Veranstaltungen koordiniert.
Nun geht im denkmalgeschützten Garten der Akademie eine Ära zu Ende, das Gartenhaus wird endgültig zum Gästehaus umgebaut. Die Studenten müssen im Februar ausziehen. Wohin ist noch unklar. Was bleibt, sind die Erinnerungen an eine bewegte Geschichte auf wenigen Quadratmetern. Musikkünstler ließen hier schon die Wände vibrieren, und es gab eine Vielzahl interdisziplinärer und internationaler Zusammenarbeiten im Off-Space hinter der Akademie, der selbst oft zum Gegenstand der Auseinandersetzung wurde. Viele der ausgestellten Arbeiten nahmen von Anfang an Bezug auf den Raum und auf die Nachbarschaft. So auch in der letzten Ausstellung, in der es um das Leben nebenan geht: Für seine Diplomarbeit hat der Student Korbinian Jaud eine Geschichte über den aktuellen Gastprofessor Till Steinbrenner fingiert, die er eng an die verschachtelte Architektur beider Wohnungen anlehnt.
Der zweiteilige Bau im Akademiegarten wurde im Laufe der Jahre zur Gedankenfabrik für viele junge Künstler. Kein White Cube, sondern ein offener Wohnraum als Schauplatz für die Kunst. ‘Wir haben aus dem Ende neue Motivation geschöpft und wollen auf jeden Fall weitermachen’, erklärt Stefanie Hammann. Ein neuer Ort wird gesucht – etwas zentraler soll er sein. Denn ‘hier waren wir manchmal schon etwas abgeschnitten’, so Hammann. Jetzt wollen die Studenten ganz auf eigenen Beinen stehen.Sina Pousset
‘Psychobuilding / 100 Kumpels unterm Gartenhaus’ von Korbinian Jaud, Gartenhaus der Akademie, Akademiestraße 2-4, Eröffnung: 29. Januar, 20 Uhr, bis 3. Februar, täglich 12-20h
SZ vom 29.01.2013
